Glücksfund

Fotos: Peter Schulz

Dem Zufall sei Dank – 57er 17M Kombi

Ja, es gibt sie tatsächlich: jene vielzitierten "Scheunenfunde"! Also Autos, die irgendwann im sprichwörtlichen "Dornröschenschlaf" aufgestöbert und auf die Straße zurückgeholt werden. Auch wenn sich hinter den meisten betagten Fahrzeugen eine weitaus weniger märchenhafte Geschichte verbirgt. Oft ist das Auto durch diverse Hände gegangen, zeigt sich vielfach ziemlich verbastelt und wurde in den seltensten Fällen systematisch gewartet und gepflegt, sondern allenfalls “am Laufen gehalten”. Doch im Falle von Chistian Nikolaus aus dem österreichischen Heiligenkreuz lief wirklich alles recht bilderbuchmäßig ab. Er stieß tatsächlich durch puren Zufall in einer Scheune auf einen von der Substanz her akzeptabel erhaltenen P2-Kombi von 1957. Somit darf er seinen Ford fraglos mit Fug und Recht als "Glücksfund" bezeichnen.

1957 war das Jahr, in dem Bill Haleys Scheibe "Rock The Joint" auf den Markt kam, Little Richard lauthals "Jenny, Jenny" kreischte und Elvis Presley den "Jailhouse Rock" in die Charts beamte. In den Tagen jener Hits brachten die Kölner den P2 an den Start. Und wohl keiner der Ford-Oldies aus hiesiger Produktion assoziiert beim Betrachter mehr Rock'n'Roll als die Taunus-Modelle der Jahre '57 bis '60. Angesichts chrombeladener Front, rückwärtiger Flossen sowie dem durch Zierleisten betonten charakteristischen "Hüftschwung" hatten beim Design der Limousinen eindeutig die zeitgenössischen amerikanischen Straßenkreuzer Pate gestanden. Aber auch Christians Kombi verströmt reichlich klassisches US-Flair, erinnert er doch stark an die Station Wagons der Rock'n'Roll-Ära.

Obwohl der 30-Jährige zu der Zeit, als der P2 vom Band lief, noch lange nicht geboren war, ist genau dieses Auto Christians "Traumwagen". Das mag vielleicht dadurch mitbedingt sein, dass er sozusagen erblich vorbelastet ist. Denn wie der Österreicher berichtet, fährt sein Vater seit nunmehr 26 Jahren ebenfalls einen derartigen Taunus. Dem Vater dankt Christian vor allem für die Teileversorgung, außerdem Albert und Philipp von den Ford Projects für deren tatkräftige Hilfe. Denn auch wenn der Ford besagter "Glücksfund" war, gab es schon allerhand zu erledigen, um ihn wieder so richtig flottzumachen. Schließlich hatte das Auto von 1968 bis '97 unbewegt in besagter Scheune gestanden.
Obwohl der Taunus gerade mal knapp 70.000 Kilometer auf der Uhr hatte, schien doch eine Komplettrestauration unverzichtbar. Also wurde der Kombi bis auf die letzte Schraube zerlegt, um bis 2001 wieder neu aufgebaut zu werden. Dass Christian von Beruf Kfz-Meister ist, kam ihm dabei genauso entgegen wie die erwähnte Unterstützung seines Vaters und der Clubkameraden. Was die weitestgehend verhältnismäßig gut erhaltene Karosserie anging, galt es lediglich die Seitenschweller und den Kofferraumboden neu einzuschweißen. Ansonsten konnte das ursprüngliche Blech komplett erhalten werden. Ferner waren alle Chromteile vorhanden und konnten nach der Aufbereitung wieder montiert werden. Bezüglich der in den 50er Jahren besonders beliebten Zweifarblackierung orientierte man sich am Werks-Code mit einer Kombination von Hellgrün und Creme.

Von: Michael Stein

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